Geschichte

 

Nach seinen Vorgängern Laufrad und Hochrad setzte sich Ende des 19. Jahrhunderts das Fahrrad bei der Bevölkerung immer mehr durch. Durch die Zunahme der Radfahrer musste sich der Staat etwas einfallen lassen. So entstanden die oberpolizeilichen Vorschriften für den Radfahrverkehr vom 1.1.1898. Jeder Radler musste eine von der Ortspolizei ausgestellte Fahrradkarte bei sich führen. Personen ohne Karte durften auf öffentlichen Wegen nicht fahren.

Auch in Westendorf nahm die Begeisterung für das Fahrrad immer mehr zu und so wurde am 19. März 1903 im Gasthaus Ammersinn der Radfahrer Verein Westendorf ins Leben gerufen. 35 Mitglieder traten gleich zu Beginn dem Verein bei. Otto Neubrand, der Posthalter der Gemeinde Westendorf übernahm das Amt des 1. Vorstandes, Kassier war Bartholomäus Stechele.

Die Neugründung wurde im Sommer 1903 mit einem Gründungsfest gebührend gefeiert. Für die Unterhaltung sorgte die Musikkapelle Weicht, da Westendorf noch keine eigene Musik hatte.

Die Ausflüge mit dem Rad führten meist in die nähere Umgebung: Dösingen, Thalhofen, Asch und Kaufbeuren. Aber auch eine Tour bis nach Hohenfurch ist erwähnt.

Da der Verein als recht gesellig bekannt war, wundert es nicht, daß außer Radausflügen noch etliche andere Aktivitäten stattfanden. So wurde jedes Jahr ein Faschingsball veranstaltet, bei dem wiederum die Musikkapelle Weicht für Stimmung sorgte. 1908 fand ein Fackelzug statt. Auch ihr schauspielerisches Talent stellten die Radfahrer unter Beweis. 1923 und 1926 wurden beim Gasthaus Ammersinn Theaterstücke aufgeführt. In der Adventszeit fanden regelmäßig Christbaumfeiern statt, bei der geschmückte Äste des Baumes versteigert wurden. 1923 ließ der Verein auch eine eigene Standarte anfertigen.

Im Juni 1927 beteiligte sich der Verein beim Radfahrfest in Pforzen. Der Einsatz für die Korsofahrt betrug 10 RM. Auch ein Radrennen in Jengen wurde besucht.

1928 konnte der Verein sein 25jähriges Gründungsjubiläum mit einem Festumzug feiern.

Im Oktober 1929 unternahmen die Vereinsmitglieder eine Autofahrt mit der „Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal“ nach Füssen.

Als sich in den 30er Jahren die Wirtschaftskrise abzeichnete, endeten die Aktivitäten. Die letzte Eintragung im Cassa-Buch wurde 1935 vorgenommen. Nach den Kriegsjahren geriet der Radfahrer Verein Westendorf in Vergessenheit.

1973 fanden sich unter dem Westendorfer Adrian Hofmann eine Handvoll begeisterter NSU-Fahrer zusammen und beschlossen, einen Motorsportclub zu gründen. Man traf sich regelmäßig im Stammlokal in Oberostendorf zum Erfahrungsaustausch. Durch die Ölkrise stellte man Überlegungen an, wie man spritsparender fahren könnte. So wurde beschlossen, ein 8er-Tandem zu bauen. Alfred Schmid ging sofort an die Planung und kurz darauf wurde geschweißt und gewerkelt.

Der Prototyp des Tandems litt allerdings noch an einigen Kinderkrankheiten. Die erste Fahrt ging lediglich bis zu Ritzel Karls Hof, dann war das Gefährt schon wieder kaputt. Der zweite Ausflug führte immerhin schon bis nach Ketterschwang, allerdings gab die Kette auf dem Heimweg den Geist auf. Doch nach ein paar Verbesserungen waren die Mängel behoben und das Tandem ist inzwischen zum Markenzeichen unseres Vereines geworden.

Ende der Siebziger Jahre kam beim Umbau eines Austragshauses in Westendorf die alte Vereinsstandarte aus dem Jahr 1923 zum Vorschein. Auf Grund dieses Fundes wurde der Motorsportclub 1980 zum Rad- und Motorsportclub (RMSC) umbenannt. Da die Standarte in schlechtem Zustand war, haben wir sie bei einer Fahnenstickerei vollständig renovieren lassen. Sie begleitet den Verein nun bei allen festlichen Anlässen und Umzügen.

Mit Geschicklichkeitsturnieren im Bauhof kamen die Radfahraktivitäten in Gang. Beim Bezirksmusikfest 1980 in Westendorf nahm der RMSC erstmals mit ausgeliehenen Korsos am Umzug teil.

Auch für verschiedene gute Zwecke hat sich der Rad- und Motorsportclub immer wieder eingesetzt:

Fast 6.000 DM sammelten die RMSC-ler 1979 für die Aktion „Brot für die Welt“, als sie mit dem Tandem eine wahre Mammut-Fahrt unternahmen. Über Weilheim, Starnberg, Gauting nach München und zurück über Augsburg, Schwabmünchen und Bad Wörishofen führte die Tour, bei der eifrig mit der Sammelbüchse geklappert wurde.

Nach einem Tanzabend mit Tombola konnte der Verein den Reinerlös über DM 1.250,-- an die Rumänienhilfe übergeben.

Im Jahr 1985 wurde in Peter Geigers Feldstadel das erste Stadelfest organisiert. Obwohl die Ausstattung des Festes am Anfang noch recht einfach war, wurde es zum Erfolg und deswegen jährlich wiederholt, bis die Dorffeste in den Gemeindebauhof verlegt wurden.

1988 trat der RMSC dem Mittelschwäbischen Radfahrverband bei und beteiligt sich seitdem regelmäßig an den Korsomeisterschaften.

Höhepunkt der Vereinsentwicklung war 2004 die Errichtung eines vereinseigenen Stadls. Er dient seither als Lager für unseren enorm gewachsenen Fuhrpark, der Gemeinschaftsraum für Sitzungen, als Veranstaltungsraum für die jährlichen Vatertagsfeten und Blasmusik-Festivals.

Dass Radfahren gut für unsere Umwelt ist, dürfte bekannt sein. Wir tun aber noch mehr dafür. Seit 1994 haben wir die Altpapiersammlung in Westendorf übernommen. Etwa dreißig Tonnen Papier pro Jahr können so dem Recycling zugeführt werden. Um diese Menge zu bewältigen, haben wir 1997 sogar einen eigenen Kipper angeschafft und hergerichtet. Wie Sie sehen, bestehen die Aktivitäten unseres Vereines nicht einfach nur aus Radfahren und deswegen würden wir uns freuen, auch Sie als neues Mitglied bei uns begrüßen zu dürfen.

Seit 2010 ist der RMSC ein eingetragener Verein beim Amtsgericht in Kempten.

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